Schützende Schuhe

Und sie stand einfach auf, legte ihre schützenden Schuhe beiseite, ganz sorgsam und geordnet, die Schnürsenkel hinein, Parallel nebeneinander, und ging weg. Barfuß, ohne Angst. Die nackten Füße fanden ihren Weg, gingen über spitze Steine, über weiches Gras, wurden nass.

Sie liefen durch alles, es tat weh, fiese Scherben, auf schlechten Boden, stachen in ihre Sohle, tief in ihr Fleisch. Fast wollte sie umkehren, den beschwerlichen Weg, der schon hinter ihr lag, die Schuhe wieder anziehen.

Doch mit der Zeit, wurde aus dem weichen Fleisch, gequält von den harten Steinen, etwas Festes. Etwas Beständiges. Etwas, das man nicht zurück lassen kann, wie ein schützendes Paar Schuhe.

Ihre Sohlen wurden stärker, ihr Schritt bestimmter. Und ihr Blick weiter.

Sie würde nicht mehr zurückgehen.

Alle Steine, Stiche und Schmerzen meistern. Und härter zurückkommen.

Stefanie Kisbauer

schützende schuhe

Fernweh

„Der kalte, salzige Wind, der dir morgens um die Ohren weht, die Frisur zerstört, die seit einigen Tagen eh nicht mehr existiert. Der Geruch von Fisch und Sand, der ganz sanft und ein bisschen störend, aber nur ein bisschen, durch die Luft schwebt.
Nervige Kindermusik am Morgen, mit der du am liebsten jemanden Töten möchtest, denn du bist ein Morgenmuffel, findest sie aber trotzdem lustig und willst es nicht zu geben.
Der weiche Duft von AufbackBRÖTCHEN, nicht Semmel, Semmel ist böse, das hörst du jeden Tag und sagst es trotzdem, aus Trotz und weil es schön ist korrigiert zu werden, aber das zeigst du natürlich nicht.
Die Schiffe, die vorbei ziehen, du dich fragst wo sie hin fahren und wann sie wieder kommen, auch wenn du den Fahrplan kennst, aber es kan nja so viel passieren auf ihrer Reise in die große Weite.
Und warum du eigentlich nicht mitfährst. Und hier sitzt. Und sie betrachtest, dich fragst.
Und du dich dann erinnerst, denn du darfst dann auch Boot fahren, auf den wackeligen Steg, in das wackelige Boot, dir den Wind ins Gesicht peitschen lassen, das deine Augen tränen, salzige Luft atmen, kleine süße Wasserspritzer abbekommen, über jede Welle hüpfen, als wäre man schwerlos.
Weit blicken, so weit, dass man meint, die Unendlichkeit existiert, weil es einfach nur blau ist, tausende, wunderschöne Arten von blau, aber trotzdem scheint es wie ein einziges, unendliches Blau
Und dann, genau dann, realisiert man es erst, was man im Grunde schon immer wusste, es aber versteckt hat, tief in einem drin, für genau solche Momente.“

Stefanie Kisbauer

Unglaubliches Fernweh hat mich gepackt, bevor ich diesen Text schrieb. War es der hereinbrechende Frühling, ich weiß es nicht, ich sehnte mich wirklich tagelang nach dem Meer, nach ein bisschen mehr Freiheit und weniger eingeengt sein. Und fing endlich wieder an eigene Texte zu schreiben…

Sonnenhund

Sterne und Blumen

Mal ein kleines, wunderschönes Gedicht für zwischendurch. Hat eine Freundin von mir in der Schule durchgenommen und fand es total schön. Genau wie ich, als sie es mir geschickt hat.

Sterne und Blumen
Sterne und Blumen
Blicke und Atem
Töne
Durch die Räume ziehen
Ein Ton der Liebe
Sehnsucht

Mit verwandten Tönen
Sich vermählen
Glühen und nie verhallen
Und die Sterne
und die Blumen lieben
Sehnsucht
Gegenliebe

Adelbert von Chamisso

That Good Night – Nachtaufnahme

Zwei Uhr nachts, ich geh von einer Freundin nach Hause. Normalerweiße hab ich so spät immer ein bisschen Angst, aber zu diesem Zeitpunkt irgendwie nicht.
Meine Kamera ist natürlich auch dabei, also was soll mir schon großes passieren? :P
Während meines Heimweges ist dann dieses Bildchen entstanden.

Dazu ist mir dann später beim Bearbeiten ein Gedicht von Dylan Thomas eingefallen, dass mir sehr gefällt. Hier ein kleiner Auszug davon, es ist der erste Vers:
Do not go gentle into that good night,
Old age should burn and rave at close of day,
Rage, rage against the dying of the light.