Fernweh

„Der kalte, salzige Wind, der dir morgens um die Ohren weht, die Frisur zerstört, die seit einigen Tagen eh nicht mehr existiert. Der Geruch von Fisch und Sand, der ganz sanft und ein bisschen störend, aber nur ein bisschen, durch die Luft schwebt.
Nervige Kindermusik am Morgen, mit der du am liebsten jemanden Töten möchtest, denn du bist ein Morgenmuffel, findest sie aber trotzdem lustig und willst es nicht zu geben.
Der weiche Duft von AufbackBRÖTCHEN, nicht Semmel, Semmel ist böse, das hörst du jeden Tag und sagst es trotzdem, aus Trotz und weil es schön ist korrigiert zu werden, aber das zeigst du natürlich nicht.
Die Schiffe, die vorbei ziehen, du dich fragst wo sie hin fahren und wann sie wieder kommen, auch wenn du den Fahrplan kennst, aber es kan nja so viel passieren auf ihrer Reise in die große Weite.
Und warum du eigentlich nicht mitfährst. Und hier sitzt. Und sie betrachtest, dich fragst.
Und du dich dann erinnerst, denn du darfst dann auch Boot fahren, auf den wackeligen Steg, in das wackelige Boot, dir den Wind ins Gesicht peitschen lassen, das deine Augen tränen, salzige Luft atmen, kleine süße Wasserspritzer abbekommen, über jede Welle hüpfen, als wäre man schwerlos.
Weit blicken, so weit, dass man meint, die Unendlichkeit existiert, weil es einfach nur blau ist, tausende, wunderschöne Arten von blau, aber trotzdem scheint es wie ein einziges, unendliches Blau
Und dann, genau dann, realisiert man es erst, was man im Grunde schon immer wusste, es aber versteckt hat, tief in einem drin, für genau solche Momente.“

Stefanie Kisbauer

Unglaubliches Fernweh hat mich gepackt, bevor ich diesen Text schrieb. War es der hereinbrechende Frühling, ich weiß es nicht, ich sehnte mich wirklich tagelang nach dem Meer, nach ein bisschen mehr Freiheit und weniger eingeengt sein. Und fing endlich wieder an eigene Texte zu schreiben…

Sonnenhund

4 Kommentare zu „Fernweh“

  1. Du hast deine Sehnsucht wirklich sehr schön in Worte gefasst. Die Stelle mit der Unendlichkeit und dem Blau gefällt mir besonders gut.

    Die Weite ist auch für mich immer wieder ein Genuss, die salzige Luft, das Geschrei der Möwen und auch der Wind gehören unbedingt dazu. Das mit der Frisur müsste ich nicht haben ;-).

    Das Bild ist auch sehr schön :-)

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